One night in Bangkok

Eigentlich waren wir vier Nächte in Bangkok. Es war sehr verrückt. Aber von vorn..

Am Flughafen in Köln buchten wir noch schnell unsere Unterkunft. Wir kamen völlig übermüdet nach dem ewigen 11-Stunden-Flug (es war die Hölle) in Bangkok an und kämpften uns bis zum Hostel in der Nähe der berühmten Khao San Road. Dabei lernten wir schon die ersten anderen deutschen Backpacker kennen. Um dem Jetlag etwas aus dem Weg zu gehen, blieben wir wach und fügten uns dem Tagesgeschehen. Das war recht einfach für uns – zu Hause macht man die ein oder andere Nacht ja auch mal durch. Im Hostel kamen wir weiter mit Reisenden in Kontakt. In einem Mehrbettzimmer ist so etwas nicht schwierig und auch in der Lobby scheut sich niemand. Es ist wie damals im Ferienlager, nur besser. Viele nette Menschen mit guten Tipps und interessanten Geschichten kommen und gehen.

Auf dem Weg in die City

Wer oder was ist diese Khao San Road?

Es ist eine Straße voller Getümmel und übersäht von Geschäften, Bars, Restaurants, Garküchen, Taxis, Tuk Tuks, Obstständen und vielem mehr. Dicht an dicht. Da ist kein Platz für Unkraut. Die Straße ist im ständigen Wandel. Die Touristen, Backpacker und andere Reisende werden hier umworben, wenn nicht sogar penetriert. Aber darauf muss man sich einlassen, wenn man diese Straße und die Nebenstraßen besucht. Rund um die Uhr werden einem Suits (maßgeschneiderte Anzüge), Tuk Tuk-Fahrten, Spieße, Frucht-Shakes und anderes angedreht. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es noch lauter. Ladyboys kämpfen um Aufmerksamkeit, Buckets und Ping Pong Shows werden angepriesen. Man soll hässliche Neon-Armbänder mit sinnlosen Sprüchen kaufen und naja… ähnlich wie am Ballermann und anderen Touri-Meilen, denke ich. Aber im Mix mit New York City. Die Straße schläft nie und die verrücktesten Leute treffen aufeinander. Die Preise sind überall recht günstig – sehr verlockend und dadurch gefährlich. Man kann sein Geld schon schnell loswerden. Beispielsweise bezahlte ich für eine chillige Hose mit schönem Elefantenmuster nur fast 3 Euro. Dennoch muss man sehr aufpassen. Die Thais erkennen, dass man „weiß“ ist und schlagen bei allem das Doppelte bis Dreifache drauf. Handeln lautet das Stichwort!

Zeit für Veränderung

Schritt 1: Vielen war es klar… die Caro macht sich irgendwann Dreadlocks. Und ja, mir schwebte es schon lange im Kopf herum. Das unschlagbare Angebot von ca. 40 € mit Verlängerung konnte ich nicht ausschlagen. Dafür war die Neugier und der Wunsch zu groß. Mit meinem Haaren konnte und wollte ich eh nicht mehr viel anfangen. Also saß ich da (schon wieder sitzen…) für zwei Stunden irgendwo an der Seite der Khao San Road, nachmittags, bei über 30 Grad und kurzem Regenschauer. Insgesamt werkelten drei verschiedene Leute an meinem Kopf. Manchmal gleichzeitig. Schmerzhaft? Niemals. Da kann es ziepen und stechen wie es will -wenn ein kleiner Traum wahr wird, tut mir das nicht weh.

So war es auch bei Schritt 2: Wir standen nachts um halb fünf auf und suchten uns das günstigste Taxi zum Tempel Wat Bang Phra. Der Taxifahrer wusste noch nicht, worauf er sich da einlässt. Wir fuhren ca. 50 km aus Bangkok heraus und bestaunten (mal wieder völlig übermüdet) den Sonnenaufgang. Wer ein heiliges Sak Yant Tattoo möchte, muss ein früher Vogel sein. Nun hieß es geduldig sein. Unser Fahrer wollte auch warten. Das hatte er nun davon. Er sprach mit den Thais vor Ort, führte uns durch den Tempel und versuchte die Sache zu beschleunigen indem er uns (unwissend) zunächst hoch in die Etage für die Touristen schickte. Dort kann man sich das Tattoo hygienisch stechen lassen, dafür aber nicht von einem Mönch und gegen Geld. 3000 – 8000 Baht, also ca 80 bis 200 Euro. Das wollten wir natürlich nicht und so gingen wir wieder nach unten, legten unsere Spende ab (für 75 Baht Blumen, Menthol-Zigaretten, Räucherstäbchen und 25 Baht) und warteten, auf dem Boden sitzend, mit fast 30 Asiaten auf den Mönch. Dieser kam gegen 9 Uhr und begann einem nach dem anderen seine Schutztattoos zu stechen. Er sucht das Motiv und die Stelle heraus. Je nachdem, welchen Schutz man braucht. Wir erwarteten, dass er die Tattoos traditionell per Handmit Bambus „einklopfen“ würde. Jedoch ist es verständlich, dass bei der Anzahl von Leuten die schnellere Maschine bevorzugt wird. Er benutzte allerdings immer wieder dieselbe Nadel, was Robert und mich doch etwas ins Grübeln brachte. Man bedenke das Risiko, sich irgendwelche Infektionskrankheiten einzufangen. Als Matze an der Reihe war, nahm er jedoch eine neue Nadel. Wir rutschten sofort näher ran. Die größten Bedenken waren weg und nun konnte es losgehen. Meist wird der Rücken tattoowiert. Man darf/ muss sich auf ein Kissen stützen. Links und rechts sitzen Helfer, die die Haut straffen. Der Mönch spricht nicht und Frauen darf er nicht anfassen. Es dauerte keine fünf Minuten, aber ich genoss es mal wieder, wie sich das Motiv in den Körper „einbrennt“. Er schrieb dieses Schutzsiegel in meine Haut. Zum Schluss besprach er das Tattoo und man kniete noch einmal vor ihm nieder und betete. Bei den anderen zuvor konnte man diesen Ablauf ja zum Glück schon gut beobachten. Es war mir eine Ehre dieses Tattoo erhalten zu haben und eine echte Erfahrung. Dass wir nun erstmal nicht baden können, wurde uns erst später klar. Aber halb so wild.:)

Finally:

Wir haben in Bangkok wirklich viel gesehen. Armut, Dreck, schöne und liebevoll geschmückte Tempel, abgefahrene Ideen, unbekanntes Essen und Einfachheit. Wir waren jeden Tag unterwegs, haben uns oft mit überteuerten (für Europäer trotzdem günstig) Taxifahrten übers Ohr hauen lassen. Wir liefen durch die Straßen, Gassen, waren in Parks, bei schwimmenden und nicht schwimmenden Märkten, haben viel ausprobiert und verkostet. Zum Beispiel frittierten Kokospudding (sehr lecker), Insekten (schmecken eigtl. nach nichts) und diverse Früchte. Wir aßen auf der Straße leckere thailändische Gerichte aus den Garküchen. Den Regen warteten wir ab, oder ließen uns eben berieseln. Wir waren auch auch viel im Hostel und auf der Khao San Road, haben nette Menschen kennengelernt und mit ihnen Spaß gehabt. In diesem Zuge: viele Grüße an euch nach Israel, Deutschland, Japan, England…

Khao San Road Nightlife
Unsere Zukunft? – Foto: Robert N.
Elektrizität – Foto: Robert N.
„Pad Thai“ mit viel Knoblauchöl aus der Straßen-Garküche

Wir haben das Zeitgefühl verloren, jeden Tag überlegen wir: Welches Datum, welcher Wochentag ist heute?  Sehr neu für mich. Wir essen unregelmäßig und eher ungesund, aber ich bin entspannt. Ständig freuen wir uns über die freilaufenden, friedlichen Tiere (hauptsächlich Hunde und Katzen, aber auch Hühner). Besonders vorsichtig mit dem Wasser oder dem Essen sind wir nicht. Und es ist auch noch nichts deshalb passiert.

Allerdings zeigte sich die schlechte, verpestete Luft in Bangkok deutlich an unserer Haut. Das änderte sich bald, denn wir machten uns auf den Weg in den Süden. Aber dazu bald mehr..

 

PS: An apple a day hat sich übrigens (leider) zu a papaya a day oder a pineapple a day entwickelt… aber Obst muss sein!

Super leckere „Jackfruit“
Schwimmende Märkte „Floating Market“
Fernöstliche Köstlichkeiten: Gebratene Koko-Pudding-Pralinen

 

über die Mauer gelunscht

2 Replies to “One night in Bangkok”

  1. Sehr schön und interessant. Viel Spaß weiterhin. Genießt es. Die zeit läuft 😀

  2. Ultimativ! Total geiler Blog.
    Nette Impressionen, aber lässt euch nicht abziehen nur weil ihr ‚Phalang‘ seit.
    Bleibt smart, als Phalang in Asien braucht man Köpfchen und ein bisschen Durchsetzungsvermögen.
    Wir sind nun schon fast alle Inseln abgeklappert und haben schon geheime Strände beschnorchelt & mit dem gemieteten Jetski erreicht, an denen nicht ein verdammter Mensch zu sehen war, waren im Dschungel Hitch-Hiken und haben Abends mit Einheimischen ein Paar Skorpione Gam Khai (also mit Hühnchen gegessen).
    Abgedreht, aber wunderschön.
    Wir bleiben jetzt einfach ein paar Tage länger und haben uns direkt am Strand einen Bungalow gemietet, und unsere Flugtickets ändern lassen, denn wir wollen noch in den Norden und nach Bali! Mehr sehen!!!

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